Welche Erlebnisse, Erkenntnisse oder besonderen Momente nehmen Sie als Archäologe aus diesen acht Jahren mit?
Das war eine der umfangreichsten und schwierigsten Ausgrabungen, die wir in der Stadt Augsburg in den letzten 30 Jahren durchgeführt haben. Es war nicht einfach, sich ständig mit den verschiedenen Gewerken vor Ort abstimmen zu müssen und genügend geeignetes Personal für die Grabungen zu finden. Neben Termindruck hatten wir eine extreme Lärm- und Staubbelastung, wir hatten große Hitze im Sommer und frostige Temperaturen im Winter auszuhalten, dazu öfters Stürme, die uns die Zelte wegwehten oder Überschwemmungen unserer Befunde verursacht durch heftige Regenfälle. Ich bin froh, dass wir das nun aller Widrigkeiten zum Trotz geschafft haben.
Andererseits haben wir hervorragende Ergebnisse erzielt, spannende Befunde freigelegt und sehr schöne Funde geborgen. Allein mit den Funden dieser Ausgrabung könnten wir ein komplettes Museum ausstatten.
Ich empfinde es als Archäologe als Geschenk, das man die Möglichkeit hat, diese gut erhaltenen Strukturen aus früheren Zeiten live zu erleben: Man legt Mauern der Stadtbefestigung aus dem Mittelalter frei, die bis in 12 Meter Tiefe noch sehr gut erhalten sind. Das ist schon sehr beeindruckend. Es ist ein einzigartiger Moment, eine besondere Chance, davor zu stehen und zu dokumentieren, was die Jahrhunderte überdauert hat. Wenn wir schon den Erhalt nicht erreichen können, geben wir unser Bestes, den Befund für die Nachwelt zu bewahren, indem wir ihn möglichst genau zeichnen, fotografieren und beschreiben. Es schmerzt schon zu wissen, dass alles wenige Tage später abgebaggert wird und dann für alle Zeiten verschwunden sein wird.