Die Archäologie

Meilenstein erreicht: Die archäologischen Grabungen sind beendet

Ein großer Meilenstein der Bauarbeiten ist abgeschlossen.

Nach acht Jahren baubegleitender Ausgrabungsarbeiten haben die Archäologen Ende Juli 2026 ihre Arbeit vor Ort beendet.

Wir haben Günther Fleps, wissenschaftlicher Leiter der Grabungen, zu einem Interview auf der Baustelle getroffen.

Als Sie 2017 mit den Grabungen gestartet haben, hatten Sie eine Ahnung, was Sie hier finden könnten?

Im Vorfeld jeder Ausgrabung in der Stadt Augsburg recherchieren wir zu dem Projekt. Wir werten die vorhandenen Quellen aus, z.B. alte historische Schriften und Überlieferungen wie Steuerbücher, aber auch die Vogelschau-Bilder aus dem Mittelalter und den Urkataster. Damit versuchen wir herauszufinden, was uns da erwarten könnte. Das Allerwichtigste aber sind die eigenen Erkenntnisse von verschiedenen Grabungen, die wir im Umfeld bereits durchgeführt haben, da es aus der Zeit vor dem späten Mittelalter kaum historische Quellen gibt. Pläne aus der Römerzeit haben wir nicht. Ich hatte den Vorteil, dass ich bereits etliche Großgrabungen im Umfeld der Theatergrabung durchgeführt habe, z.B. in der Kohlergasse, am Maria-Theresia-Gymnasium und am Diakonissenkrankenhaus. Diese Erkenntnisse helfen einzuschätzen, was da auf einen zukommen könnte. Wir wussten, dass wir römische Siedlungspuren antreffen werden, mit den entsprechenden Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Bestattungen usw. Es war auch bekannt, dass Überreste der mittelalterlichen Befestigungsanlagen, sowohl aus dem 12. Jahrhundert als auch von der Erweiterung im 13./14. Jahrhundert, vorhanden sein werden. Aber ich war selbst überrascht, wie gut der Erhaltungszustand war.

 

Günther Fleps, wissenschaftlicher Leiter der Grabungen am Staatstheater
Was sind die für Sie wichtigsten und bedeutsamsten Befunde der Grabungen?

Die bedeutendsten Befunde waren die vielen gut erhaltenen Siedlungsspuren aus der Römerzeit, die uns Hinweise auf die Lebensweise der einfacheren Bevölkerung dieser Siedlung im Vorfeld der Römerstadt liefern. Beginnend mit dem Bau der Straße, mit einem Vorgänger, einem sogenannten „Knüppeldamm“, bei dem Baumstämme nebeneinander quer zur Fahrtrichtung angeordnet waren, dem Bau der Wasserleitung, die Wohngebäude selbst mit den Wirtschaftsbauten im rückwärtigen Teil dieser Siedlung, sowie Stallungen, Keller, Zisternen, Kochstellen und so weiter, bis zum gewaltsamen Ende dieser Siedlung im dritten Jahrhundert.  Im Zuge dieser kriegerischen Auseinandersetzungen wurde die Siedlung niedergebrannt und geschleift. In diesem Zusammenhang ist ein großer Teil der Bevölkerung umgekommen. Viele Leichen wurden nicht regulär bestattet, wie man es eigentlich in der Römerzeit erwarten würde, sondern gemeinsam mit Bauschutt in aufgelassenen Gruben und Kellern entsorgt. Das bedeutet, dass diejenigen, die aufgeräumt haben, offensichtlich keinen Bezug mehr zu den ansässigen Bewohnern hatten. Möglicherweise ein Hinweis auf Bürgerkriege, in deren Folge es zu einem Machtwechsel kam. Eine genetische Untersuchung der Skelette wird uns hoffentlich hierzu weitere Erkenntnisse liefern.

Äußerst beeindruckend waren die Stadtbefestigungsanlagen aus dem Spätmittelalter mit ihrem sehr guten Erhaltungszustand. Wir konnten an den vorhandenen Mauern die verschiedenen Bauphasen von den Anfängen im 12. Jahrhundert bis zur Schleifung dieser Stadtbefestigungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr gut nachweisen. Überraschend war die Entdeckung einer Befestigungsmauer des Wehrgrabens aus dem 12. Jahrhundert: eine ca. 8 m hohe Mauer, mit Mauerkrone geschmückt und verstärkt durch Pilaster. Damit hatten wir nicht gerechnet, das war wirklich sehr beeindruckend. Ich habe große Hochachtung vor der Leistung der Menschen der damaligen Zeit, die diese Stadtbefestigungsanlagen vom Brennen der Ziegel, Transport und Aufbau bis hin zum Ausheben der Wehrgräben und Abtransport des Erdaushubs alles von Hand errichten mussten!

 

Auch Bauten aus dem Mittelalter, die wir bereits aus historischen Quellen und den alten Vogelschau-Plänen kannten, haben wir freigelegt, wie die Kellergeschosse des Kornstadels, die zum Teil noch in einem sehr guten Erhaltungszustand vorhanden waren.

Selbst Funde jüngeren Datums aus dem zweiten Weltkrieg waren aufsehenerregend. Im Februar 1944 wurden die Klostergebäude von Bomben getroffen und sind abgebrannt. Unter dem Schutt blieb das Inventar eines Kellers mit umgestürzten Regalen, Getränkekästen, Kohlelager usw. sehr gut erhalten und spiegelt diesen Moment vor bzw. während des Bombeneinschlags.

Weitere interessante Funde gibt es auch vom ursprünglichen Theaterbau selbst, wie Bauschmuck und Skulpturen, die bei späteren Umbaumaßnahmen teilweise einfach vor Ort entsorgt wurden. Darunter die Köpfe eines Satyrs und einer Muse aus Kalkstein. Erwähnenswert sind auch die Überreste des Brunnenbeckens vom Neptun-Brunnen, der einst westlich neben dem Theater stand.

Es gibt also spannende Funde von den Römern bis in die Neuzeit.

Wehrmauern der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung (13./14. Jahrhundert) mit Wehrturm (rechts) und späterer Wehrgrabenbefestigungsmauer (ganz oben im Bild). © Günther Fleps, Stadtarchäologie
Ursprünglich war der Zeitraum für die Archäologie auf dem Baufeld kürzer eingeplant. Weshalb haben die Grabungen länger gedauert?

Im Vorfeld einer Ausgrabung wird versucht die Dauer und die Kosten zu schätzen und auch den Personalbedarf zu ermitteln. Diese Prognose ist nicht einfach, da wir nicht wissen können, wie umfangreich die archäologischen Befunde tatsächlich sein werden. Dies trifft vor allem auf Stadtkerngrabungen zu, wo die erhaltenen Siedlungsstrukturen früherer Epochen sehr komplex sind. Unsere Prognose setzt einen Idealzustand voraus, bei dem wir ungehinderten Zugang zu den Ausgrabungsflächen haben. Dies war, wie bei den meisten baubegleitenden Ausgrabungen auch hier nicht der Fall. Wir mussten immer wieder mit Unterbrechungen und Behinderungen durch parallellaufende Baumaßnahmen klarkommen. In den Randbereichen konnten wir nur bis zu einer gewissen Tiefe graben, um die Nachbarbebauung nicht zu gefährden. Dann musste die Grabungsfläche wieder zugeschüttet werden, um die Baugrube mittels Bohrpfahlwand zu sichern. Danach durften wir in Handarbeit die Ausgrabungsfläche wieder freilegen. Das dauert mehrere Wochen, bis wir den Zustand vor der Überschüttung wieder erreicht haben und mit der eigentlichen Grabung weitermachen können. Dieser Vorgang mit Überschüttung und wieder Freilegung der Archäologie wiederholte sich dann jeweils in tieferen Lagen beim Setzen der Anker, um die Bohrpfahlwand zu sichern. Bei all diesen Maßnahmen sind wir abhängig von den anderen Gewerken auf der Baustelle. Wenn sich da Verzögerungen ergeben, wirken diese sich auch auf unsere Fertigstellungstermine aus.

Kleinere Grabungsabschnitte, wie der Innenhof des Betriebsgebäudes und später eventuell noch Außenanlagen, werden wir noch zu gegebener Zeit untersuchen müssen, aber das eigentliche Baufeld ist seit Ende Juli fertig untersucht und von Seiten der Bodendenkmalpflege für den Bau freigegeben.

Welche Bedeutung haben die Funde und Erkenntnisse der Staatstheater-Grabung für die Geschichte Augsburgs?

Eine derart großflächige Ausgrabung in der Innenstadt bietet den Vorteil, dass man das Zusammenspiel der komplexen Siedlungsstrukturen verschiedener Epochen besser greifen kann. Wir konnten viele neue Einsichten zur Lebensweise der einfacheren römischen Bevölkerung gewinnen, von der Entstehung der Siedlung bis zu ihrem gewaltsamen Ende. Die anstehende Auswertung der Funde und Befunde wird sicherlich weitere spannende Erkenntnisse zu Wirtschaft, Handel und Lebensgewohnheiten liefern. Auch zur Entwicklung der Stadt ab dem Spätmittelalter mit den Klosterbauten, dem Kornstadel und vor allem den sehr gut erhaltenen Befestigungsanlagen konnten viele neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Tonscherben in einer Römischen Abfallgrube. © Günther Fleps, Stadtarchäologie
Stützmauer des Wehrgrabens der Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert. © Günther Fleps, Stadtarchäologie
Welche Erlebnisse, Erkenntnisse oder besonderen Momente nehmen Sie als Archäologe aus diesen acht Jahren mit?

Das war eine der umfangreichsten und schwierigsten Ausgrabungen, die wir in der Stadt Augsburg in den letzten 30 Jahren durchgeführt haben. Es war nicht einfach, sich ständig mit den verschiedenen Gewerken vor Ort abstimmen zu müssen und genügend geeignetes Personal für die Grabungen zu finden. Neben Termindruck hatten wir eine extreme Lärm- und Staubbelastung, wir hatten große Hitze im Sommer und frostige Temperaturen im Winter auszuhalten, dazu öfters Stürme, die uns die Zelte wegwehten oder Überschwemmungen unserer Befunde verursacht durch heftige Regenfälle. Ich bin froh, dass wir das nun aller Widrigkeiten zum Trotz geschafft haben.

Andererseits haben wir hervorragende Ergebnisse erzielt, spannende Befunde freigelegt und sehr schöne Funde geborgen. Allein mit den Funden dieser Ausgrabung könnten wir ein komplettes Museum ausstatten.

Ich empfinde es als Archäologe als Geschenk, das man die Möglichkeit hat, diese gut erhaltenen Strukturen aus früheren Zeiten live zu erleben:  Man legt Mauern der Stadtbefestigung aus dem Mittelalter frei, die bis in 12 Meter Tiefe noch sehr gut erhalten sind. Das ist schon sehr beeindruckend. Es ist ein einzigartiger Moment, eine besondere Chance, davor zu stehen und zu dokumentieren, was die Jahrhunderte überdauert hat. Wenn wir schon den Erhalt nicht erreichen können, geben wir unser Bestes, den Befund für die Nachwelt zu bewahren, indem wir ihn möglichst genau zeichnen, fotografieren und beschreiben. Es schmerzt schon zu wissen, dass alles wenige Tage später abgebaggert wird und dann für alle Zeiten verschwunden sein wird.

Haben Sie einen Lieblingsfund?

Was die Funde anbelangt, gibt es ein paar außergewöhnliche Highlights aus der Römerzeit, z.B. ein wunderschönes Öllämpchen aus Bronze. Es ist ein extrem seltener Fall, dass man sowas findet, weil Bronze damals wertvoll war und normalerweise wieder eingeschmolzen wurde, um das Metall weiterzuverwenden. In der Regel wurden Öllämpchen aus Ton hergestellt und waren damals Massenware. Ein bronzenes Öllämpchen, an dem sogar noch die Aufhängeschnur aus geflochtenen Bronzedrähten erhalten blieb, ist schon etwas Großartiges. Außerdem haben unsere Mitarbeiter zwei besonders schöne Gemmen gefunden. Auf der einen ist ein tanzender Satyr dargestellt, die andere zeigt die Göttin Nemesis. Hervorzuheben ist auch das Bruchstück einer Frauenstatuette aus Marmor von außerordentlich guter Qualität. Das ist sehr selten, da wir wenn überhaupt meistens nur Statuen aus Kalkstein finden. Diese Statuette wurde offensichtlich aus dem Mutterland Italien importiert. Man merkt also, es gibt durchaus gewisse Hinweise auf Wohlstand, zumindest die römische Oberschicht konnten sich so einiges leisten. Wir haben auf anderen Grabungen auch Austernschalen gefunden. Das heißt, man wollte auf den gewohnten Lebensstandard, den man aus dem Süden gewohnt war, nicht verzichten, wenn man z.B. dienstlich versetzt wurde und ließ sich die entsprechenden Güter über die Alpen hierher liefern.

Römisches Öllämpchen aus Bronze. © Günther Fleps, Stadtarchäologie
Die Grabungen sind beendet, aber wie geht es jetzt mit den Funden weiter? Wie sieht die weitere archäologische Aufarbeitung der Funde aus?

Die Aufarbeitung beginnt bereits während der laufenden Maßnahme. Die Funde werden regelmäßig ins Lager gefahren. Dort werden sie gewaschen und eingelagert. Nach Abschluss der Grabung ist es Aufgabe des Grabungsleiters einen wissenschaftlichen Bericht zu verfassen, in dem die wichtigsten Erkenntnisse der Ausgrabung zusammengefasst werden. Zur Aufarbeitung gehört auch, dass alle Zeichnungen (bislang wurden bereits ca. 3.000 angefertigt) digitalisiert und die dort festgehaltenen baulichen Strukturen in Gesamt- und Phasenplänen zusammengefasst werden. Zusätzlich werden laufend alle archäologischen Befunde ausführlich beschrieben, inzwischen sind es 77 Ordner mit weit über 15.000 Beschreibungsblättern. Für den Abschlussbericht müssen alle archäologischen Befunde und Funde gedeutet, datiert und ausgewertet werden.

Der wissenschaftliche Bericht mit den wichtigsten Erkenntnissen ist dann auch die Grundlage für weitere Forschungen. An einer derart komplexen und umfangreichen Grabung werden künftig noch Generationen von Forschern zu tun haben.

Gibt es schon Pläne, wie die Befunde und Ergebnisse der Grabungen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können?

Der ursprüngliche Gedanke war, einen Abschnitt der sehr gut erhaltenen Stadtbefestigungsanlagen, mit den Stadtmauern, Wehrgraben und Wehrturm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses geplante archäologische Fenster konnte leider nicht umgesetzt werden. Das Bodendenkmal bleibt zwar im Boden erhalten, wird jedoch nicht sichtbar sein.

Während der laufenden Ausgrabung habe ich regelmäßig Führungen angeboten, die auch stets sehr gut besucht waren. Leider fehlt für mehr Führungsangebote das Personal. Nach der Aufarbeitung der Grabungsdokumentation und der Auswertung des Fundmaterials werde ich die Erkenntnisse in Form von Publikationen und Vorträgen der Öffentlichkeit vorstellen. Es wäre wünschenswert auch eine Ausstellung der Ausgrabungsergebnisse zu verwirklichen. Dafür geeignetes Fundmaterial wäre reichlich da.

Im Foyer des fertigen Theaters sollen die gefundenen Skulpturen und Bauplastiken vom ursprünglichen Theaterbau mit erklärenden Schautafeln ausgestellt werden, um die Geschichte des Theaters von der ersten Bauausführung über die verschiedenen Umbauten bis heute darzustellen. Ob römische Funde von dieser Ausgrabung einmal im neuen Römermuseum zu sehen sein werden, kann jetzt noch nicht beantwortet werden. Für das neue Museum muss zuerst ein Konzept erarbeitet werden.

 

Herr Fleps, herzlichen Dank für das Gespräch!

Bei den Grabungen in der Baugrube. Foto: Kulturreferat

März 2026: Aktueller Bericht der Archäologie

Günther Fleps, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabung, berichtet über die Forschungsergebnisse der archäologischen Untersuchungen

Die flächigen Ausgrabungen im nördlich der Kasernstraße gelegenen Bauabschnitt sind im Herbst 2025 bis in eine Tiefe von ca. 5 m abgeschlossen worden.

Die Untersuchung tiefer reichender archäologischer Befunde musste damals aus statischen Gründen vorerst zurückgestellt werden. Inzwischen ist die Baugrube mit einer Bohrpfahlwand gesichert und die tiefer liegenden Befunde können nun fertig ausgegraben werden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um mehrere einst holzverschalte Zisternen und Latrinen aus der Römerzeit, die in den Hinterhöfen der dort gelegenen Siedlung angelegt worden waren. (Abb. 1)

1: Dunkle rechteckige Strukturen sind als Überreste ehemaliger römischer Zisternen im hellen anstehenden Lössboden gut erkennbar. Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie

Einige archäologische Befunde, darunter ein römischer Brunnen (Abb. 2) und ein weiterer aus dem 13. Jahrhundert (Abb. 3), reichen tiefer als der geplante Neubau und werden daher darunter für die Nachwelt erhalten bleiben.

Ein mehrgeschossiger, ziegelgemauerter Keller aus dem 16. Jahrhundert reicht ebenfalls tiefer als der Neubau. Aufgrund seiner lockeren Bauschuttverfüllung muss er jedoch vollständig ausgegraben und die Verfüllung durch tragfähiges Material ersetzt werden.

2: Im Bild unten die rechteckige Grube eines römischen Brunnens und in der Bildmitte die Überreste eines Kellers aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie
3: Reste der dunklen Einfüllschichten eines im 13. Jahrhundert aufgelassenen Brunnens kleben teilweise noch an der neu errichteten Bohrpfahlwand zur Baugrubensicherung. Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie
4: Blick von der Heilig-Kreuz-Straße in die Baugrube. Nach Abbruch der Bodenplatte des Hoffmannkellers zeichnen sich dort rechteckige Strukturen, wohl römische Zisternen und Latrinen ab (rot markiert). Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie
5: Blick in Richtung Heilig-Kreuz-Straße. Rot markierte archäologische Befunde, rechts davon Mauerreste des Hoffmannkellers mit Gewölbeansatz. Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie

Das an der Ecke Heilig-Kreuz Straße zur Kasernstraße gelegene ehemalige Verwaltungsgebäude des Staatstheaters ist bereits 2020 abgerissen worden. Inzwischen findet der Abbruch der dazugehörigen zweigeschossigen Keller statt. Die Gewölbekeller dieses Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert dienten ursprünglich jahrelang der Weinhandlung Hofmann als Lager für ihre Weinfässer und -flaschen. Später wurden die Keller als Spielstätte für Aufführungen des Staatstheaters genutzt und nach E.T.A. Hoffmann zum „Hoffmann-Keller“ umbenannt.

Beim Rückbau der Bodenplatte dieses Kellers kamen darunter überraschenderweise mehrere rechteckige Strukturen zum Vorschein, die ebenfalls als römische Zisternen gedeutet werden können und demnächst archäologisch erforscht werden sollen. (Abb. 4 und 5)

September 2020: Neue Funde bei den Ausgrabungen

Günther Fleps, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabung, berichtet über die Forschungsergebnisse zur Ausgrabung am Augsburger Staatstheater:

Die archäologischen Arbeiten im unmittelbaren Umfeld des Theaters sind abgeschlossen. Die Untersuchungen für den Bauabschnitt II (Verwaltungsgebäude) im Bereich zwischen Kasernstraße, Ottmarsgäßchen und Heilig-Kreuz-Straße haben gerade erst begonnen.

Zwischen Theater und Volkhartstraße wurden sehr gut erhaltene Überreste der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung freigelegt. Auf engstem Raum lassen sich hier die verschiedenen Ausbaustufen der Stadtbefestigung erkennen – von der Errichtung im ausgehenden 13. Jahrhundert bis hin zu ihrer Schleifung im Jahr 1867 (Abbildung 1).

An der Ecke Heilig-Kreuz-Straße/Kasernstraße wurde der Wehrgraben der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert angeschnitten. Beeindruckend ist, dass die Feldseite dieses Grabens mit einer mächtigen, durch Stützpfeiler verstärkten Ziegelmauer befestigt war (Abbildung 2). Sie diente hauptsächlich als Stützmauer für die Straße, die entlang des Grabens vom Alten Einlass, dem Nachttor der spätmittelalterlichen Stadt, zum Heilig Kreuzer Tor führte.

Im Jahr 1519 baute man in den damals noch offenen Graben einen großen Speicherbau (Abbildung 3). Dazu musste ein Teil der Stadtmauer zwischen Altem Einlass und Heilig Kreuzer Tor abgebrochen werden. Dieser ursprünglich als Korn- und Weinstadel und später als Salzstadel genutzte Bau wurde 1876 abgebrochen, um hier das Stadttheater errichten zu können.

Nach Abbruch der Brechtbühne kamen dort die Überreste der durch Bombenangriffe 1944/45 zerstörten Kaserne zum Vorschein. Auf dem Fußboden eines der Kellerräume lag unter dem Kriegsschutt das zwar verbrannte, jedoch gut erhaltene Kellerinventar, darunter Bierkästen der Marke „Goldene Gans“, ein Wasserkasten, eine Kiste mit Apothekerfläschchen, je ein Lager mit Holzkohle und Briketts, sowie verschiedene Blechwannen und Keramikgefäße (Abbildung 4).

Im Laufe des Oktobers 2020 wird die Grabungsfläche im Bereich der ehemaligen Brechtbühne erweitert. Ab Frühjahr 2021 soll dann der komplette Innenhof zwischen Kasernstraße und Ottmarsgäßchen für die dort anstehenden Ausgrabungen freigemacht werden.

Abbildung 1: Volkhartstraße/Kasernstraße, Fundamente der spätmittelalterlichen Stadtbefestigung (rechts) mit Wehrturm (oben), Wehrgrabenstützmauer (links) und Kiespflaster der Bastion am Alten Einlaß (unten). Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabung
Abbildung 2: Heilig-Kreuz-Straße/Kasernstraße, Wehrgrabenstützmauer (links)und Fundamente des Kornstadels (rechts). Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabung
Abbildung 3: Theaterstraße/Kasernstraße, Mauer mit Lisene und Gewölbeansatz sowie Stützpfeiler des Kornstadelkellers. Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabung
Abbildung 4: Kasernstraße: Bei den Bombenangriffen von 1944/45 zerstörtes Kasernengebäude mit verbranntem Kellerinventar. Foto: Günther Fleps, Stadtarchäologie, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabung

Archäologische Untersuchungen im Sommer 2020

Die archäologischen Grabungen erfolgen derzeit nur in einem kleinen Feld. Unter Beobachtung durch den Kampfmittelräumdienst werden weitere Teilflächen freigelegt, um die archäologischen Grabungsflächen erweitern zu können.

Nach Beendigung der Abbruchmaßnahmen Verwaltungsgebäude kann dann die gesamte Fläche des Bereiches nördlich der Kasernstraße für die archäologischen Grabungen genutzt werden. Ausgenommen bleibt der Bereich Magazingebäude am Ottmarsgässchen, das in der Variante 2 stehen bleibt und in das neue Gebäude integriert wird. Genauso das Kulissenhaus, das aufgrund der denkmalgeschützten Fassade erst Zug um Zug mit der Rohbauerstellung rückgebaut werden kann.

In den nächsten 12 Monaten werden noch Böschungen zu den Nachbargrundstücken, die noch nicht archäologisch untersucht werden können, stehen bleiben. Mit den Grabungen kann es weitergehen, wenn die Entscheidung über eine Variante der Verbauplanung getroffen ist und Verhandlungen mit den Nachbarn stattgefunden haben.

Ein Fundament aus 2000 Jahren Geschichte

Augsburg hat eine weitreichende und bewegte Geschichte. Über Jahrtausende hinweg haben Menschen hier ihre Spuren hinterlassen. Vor jeder Baumaßnahme kommt die Stadtarchäologie zum Einsatz und untersucht das Erdreich auf Überreste aus der Vergangenheit.

Archäologische Ausgrabungen, Foto: © Ruth Plössel

Grabungen an der Volkhartstraße/ Kennedy-Platz

Von Juli 2017 bis Ende 2018 gruben die Stadtarchäologen an der Volkhartstraße und brachten teils Erstaunliches zutage. Aus nahezu allen Epochen seit der Römerzeit gibt es Funde. Die jüngsten sind noch keine 150 Jahre alt.

Der römische Wehrgraben

Die ältesten Funde datieren aus der Zeit vor der Stadtgründung, vermutlich aus der Bronzezeit. Derzeit sind die Archäologen noch mit der genauen Bestimmung beschäftigt. Klarer sehen sie bei den aufgedeckten Mauersteinen: An dieser Stelle erstreckte sich ein römischer Wehrgraben. Damit, so Stadtarchäologe Günther Fleps, war die römische Stadtumwehrung deutlich größer als bisher angenommen. Offenbar war die Stadtgrenze schon immer an dieser Stelle festgelegt.

Die Mauer der Bischofsstadt

Die Römerstadt mit ihren rund 10.000 Einwohnern wurde von der Bischofsstadt abgelöst. Die Stadt war sehr klein, die meist aus Holz gebauten Häuser gruppierten sich um den Dom. Im 13. Jahrhundert wuchs Augsburg, am heutigen Theater wurde eine erweiterte Stadtmauer gebaut. Genau am Standort des künftigen Orchesterprobengebäudes haben die Archäologen die Fundamente eines Wehrturmes und der späteren Bastion freigelegt. Ende des 16. Jahrhunderts entstand hier das erste Leihamt Deutschlands – auch davon wurden Mauerreste gefunden.

Kurios: Stadtarchäologe Günther Fleps steht in einer römischen Latrine und zeigt die Mauern des ersten Leihamtes Deutschlands. Foto: © Ruth Plössel
Kostbar: Diese römische Fibel aus dem 3. Jahrhundert wurde 1000 Jahre lang hin- und hergeschippt. Foto: © Ruth Plössel
Überraschend: Bei den Grabungen stießen die Archäologen unter anderem auch auf Überreste zweier mächtiger Köpfe aus Kalksandstein, die von der ursprünglichen Fassade des Stadttheaters von 1877 stammen. Foto: © Ruth Plössel
Die Ansicht zeigt einen Ausschnitt aus dem Seld – Plan der Stadt Augsburg (Georg Jörg Seld, 1521) mit eingezeichneter Lage des heutigen Theaters.
Die Römer liefen zwei Meter tiefer

Die Arbeit der Archäologen beginnt mit einem Spaten. Punktuell graben sie bis zu fünf Meter in die Tiefe. Dabei achten sie genau auf die Färbung des Erdreichs: Dunkle Erde stammt aus der Römerzeit, helle Erde aus dem Mittelalter. So stellten die Archäologen fest, dass die alten Römer etwa zwei Meter unter dem heutigen Niveau liefen. Bemerkenswert war der Fund einer römischen Fibel aus dem 3. Jahrhundert – im Erdreich des Mittelalters: „Die wurde offenbar 1000 Jahre lang immer wieder hin- und hergeschippt“, so Stadtarchäologe Fleps.

Schiller und Goethe blieben verschont

Noch überraschender waren Funde aus der Neuzeit: schmückende Elemente des ursprünglichen Stadttheaters von 1877. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bauschmuck entfernt und im Erdreich entsorgt“, erzählt Stadtarchäologe Günther Fleps. Die Statuen von Schiller und Goethe blieben davon verschont – sie zieren heute die nach ihnen benannten Schulen in Lechhausen. Für die Figuren wurde Kalk aus Südtirol verwendet, offenbar in Serienfertigung, so Fleps: „Die Architekten hatten einen Bauteil-Katalog, aus dem die Auftraggeber wählen konnten.“

Ein außergewöhnlicher Fund

Im Bereich der ehemaligen Grünanlage an der Volkhartstraße wurden sehr gut erhaltene Fundamente der mittelalterlichen Stadtbefestigung freigelegt. Beeindruckend ist, dass hier alle Ausbaustufen der Befestigung der einstigen Augsburger Unterstadt vom ausgehenden 13. Jahrhundert bis zur Schleifung dieser Mauern im 19. Jahrhundert zu erkennen sind.

Am 20. Dezember 2018 beschloss der Augsburger Stadtrat den Erhalt der Funde. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Grabungsarbeiten am Großen Haus/ Nordwest

Nach dem Abschluss der Grabungen am Kennedyplatz werden seit Sommer 2019 nach und nach die von der Bauleitung freigegebenen Areale um das Große Haus untersucht. Aktuell finden Untersuchungen an der Kasernstraße/ Theaterstraße statt.

Kornstadel und Wehrgraben

Am Nordwesteck des Großen Hauses wurden Mauern des ehemaligen Kornstadelkellers aus dem 16. Jahrhundert mit Pfeilern und Gewölbeansätzen freigelegt. Auch Überreste der Stadtbefestigung aus dem 12. Jahrhundert kamen zum Vorschein, darunter die Schichten der Wehrgrabenverfüllung und die äußere, also feldseitige Stützmauer dieses Grabens (sogenannte „Konterescarpe“).

Römerzeit und Mittelalter

Siedlungsspuren aus der Römerzeit sind in Augsburg an sich keine Überraschung mehr. Die Entdeckung von Überresten römischer Steinbebauung kam für die Archäologen an dieser Stelle allerdings unerwartet, da sie außerhalb der römischen Kernsiedlung liegen. Erwähnenswert sind auch die Fundamente der spätmittelalterlichen Klostergebäude, ein ziegelgemauerter Brunnenschacht und etliche Architekturteile der Theaterausstattung von der ehemaligen Nordfassade.

Grabungskräfte im Einsatz. Foto: Stadt Augsburg/ Stadtarchäologie
Arbeit auf engem Raum. Foto: Stadt Augsburg/ Stadtarchäologie
Kellermauern des Kornstadels. Foto: Stadt Augsburg/ Stadtarchäologie